News 2021

Reisebericht: Anreise nach Preveza Februar 2021

Wenn einer eine Reise tut…in Corona-Zeiten… und aus beruflichen Gründen!

Wir haben mit vielen Schwierigkeiten bei dieser Reise gerechnet. Mit dem Auto und vielen Ersatzteilen für die Nimba auf dem Dach , u.a. neuer Fußreling für ein 16m Schiff, die wir auf 6,20m kürzten,, begaben wir uns auf die Reise von Münster nach Preveza (Griechenland), wo unser Segelschiff auf der Werft liegt. Wir haben diese Reise lange hinausgezögert, auch aus Angst vor Corona etc. Aber nachdem wir 3x den Termin für das Kranen zum Kiel ziehen und Mast legen mit dem Gutachter verschieben mussten, stand für uns jetzt fest, dass wenn wir überhaupt die Chance bekommen sollten im Sommer mit Gästen reisen zu dürfen und von unserem Hauptjob leben zu können, wir das Schiff auch endlich fertig bekommen müssen. Außerdem brauchen wir so langsam auch das endgültige Gutachten von unserem Gewitterschaden im letzten Jahr. Also auf nach Griechenland.

Wir fuhren schon mit einem Tag Verspätung los (im Nachhinein betrachtet, war das noch unser Glück), da Klaus gesehen hatte, dass die Fähre für den besagten Tag nur mittags fuhr und wir somit mitten in der Ausgangssperre in Griechenland landen würden. Somit gingen wir Dienstagmorgen zum Arzt für den PCR-Test. Wir wollten alles genau machen und für Griechenland muss in dem Attest auch noch eine Pass-Nummer stehen, deshalb ließen wir uns das vom Arzt alles nochmal extra attestieren. Wir brachten den Test selbstständig zum Labor um Zeit zu sparen und fuhren danach mit dem Auto los (ohne das Ergebnis abzuwarten, denn sonst würde man die 72Std. nicht einhalten können.) In Deutschland verlief alles einwandfrei (fast), das Auto ließ sich mit der Fußreling auf dem Dach erstaunlich gut fahren.

Der Grenzpolizist in der Schweiz hielt uns an, wackelte an unserer Ladung, dass er das Auto zum Schwingen brachte, hatte aber nichts zu beanstanden. Auch dabei hatten wir uns viel Mühe gegeben! Extra eine spezielle Warntafel für Italien hinten angebracht, rotes Rücklicht daran befestigt. (Nur die Abdeckung des Rücklichts samt Batterie hatte sich schon bis kurz vor Haiger verabschiedet, so dass wir nochmal dort in den Baumarkt mussten und uns dort gleich 2 Rücklichter besorgten! Die dann auch bis zur Ende der Reise hielten!)

Bei Nacht durch die Schweiz zu fahren, war wunderschön. Der Mond schien über die dunklen Berge, einige hatten noch Schnee auf den Kuppen liegen. Es war fast unheimlich, dass wir die einzigen waren, die durch die Nacht fuhren. Die Straßen waren leer! Erst gegen 4-5Uhr regte sich wieder was auf den Straßen, der Berufsverkehr begann.

Die Grenze zu Italien passierten wir ohne jegliche Kontrolle und so wollten wir uns nach der Grenze erst einmal einen Cappucchino gönnen, wir waren bis jetzt fast mit fliegendem Wechsel durchgefahren. Als wir mit unseren to-go-Bechern zum Auto gingen, wurden diese zu to-stop-Bechern!!! Zwei Polizeiautos standen hinter unserem Gefährt und eine lange Odyssee begann. Klaus hatte vor der Reise beim ADAC extra nachgefragt, ob es eine Längenbegrenzung nach hinten gab. (Nach vorne durfte nichts überstehen, dass hatten wir bei einer anderen Reise mit Spinnackerbaum auf dem Dach schon erfahren!) Das wurde vom ADAC verneint! Im Internet fanden wir dazu auch nichts. Die Polizisten meinten, die Ladung wäre zu lang. Wie lang es denn überstehen dürfte, sagten sie aber auch nicht. Es wurde mühselig sich mit ihnen zu unterhalten, wobei unterhalten das falsche Wort dabei war. Sie sprachen kaum Englisch, so unterhielt sich der junge Polizist ausschließlich über Google Translate mit mir. Er wollte, dass wir was an der Ladung absägten. Wie bitte? Dann hätten wir den ganzen Zirkus ja nicht betreiben müssen. Wenn wir das zersägen könnten, hätten wir es schon mit der Palette nach Griechenland verschickt. Erst wollte er, dass wir 30cm absägten, dann 20cm. Mir kamen Wut und Tränen in die Augen. Dann könnten wir die neue Reling auch gleich verschrotten! Wir machen das hier nicht aus Vergnügen, weil es soviel Spaß macht 2.000km mit dem Auto durch die Länder zu fahren und dabei höchstsens 100km/h zu fahren… Der Polizist bekam durch meine Tränen wohl Mitleid, denn irgendwann brachte er das Fass zum Überlaufen. Die Corona-Zeit  bringt einen nicht gerade zum Lachen. Er schrieb, ob wir die Strafe bezahlen könnten und er würde uns einen Bericht schreiben, mit dem könnten wir dann weiter fahren. So machten wir es. Aber dieser lange Zwischenfall brachte uns dazu, nirgendwo groß anzuhalten,und wenn uns nur noch irgendwo zwischen den Lkws zu verstecken, denn die meisten Polizisten fahren ja alle bis vorne zum Cafe und trinken sich dort einen schnellen Espresso…

Wir wechselten viel, so dass wir immer fit blieben und keine Pausen zum Schlafen einlegen mussten. Dann kamen wir um 19Uhr im Fährhafen von Brindisi an und wir fühlten uns erst mal etwas erleichtert. Wir fuhren rum und suchten… Dort wo die Fähre abgehen sollte, war ein Zauntor und dahinter lag keine Fähre. Wir sprachen eine Security-Dame im Häuschen an, die meinte, dass heute keine Fähre nach Griechenland fährt. Das verstanden wir erst einmal nicht. Wieso das denn, stand doch eindeutig 24.02. um 21Uhr auf dem Ticket? Zurück zum Terminal gefahren, waren nur die Schalter nach Albanien geöffnet (da Einreisen von Albanien und der Türkei nach Griechenland nicht erlaubt sind, hätte uns das auch nicht geholfen.) Der Herr meinte, dass die Schalter erst morgen früh um 9Uhr öffnen würden. Na super, dann stand somit die erste Nacht im Auto an, im halben Sitzen, denn unser Auto war wirklich voll beladen….zum Glück! Wir hatten viel Essen mit für die Quarantäne-Zeit in Griechenland. Das sollte uns noch nützlich werden! Mit der Tüte Chips für mich und Schlückchen Wein für uns aus der Pulle zum Abendessen, wurde der Abend noch lustig und wir sahen es mit Humor. Wir schliefen erstaunlich gut.

Der nächste Morgen. Wir erfahren, per E-Mail und im Terminal von der Cafe-Besitzerin, dass die Fähren nicht fahren, auch heute nicht (Donnerstag). Die Schalter der Grimaldi-Lines sind geschlossen. Ich spreche mit der Dame von der Grimalidi-Lines Hotline auf Englisch und buche unsere Fähre auf Freitag, 13Uhr um. Somit kommen wir allerdings mitten in der Nacht, zur Ausgangssperre in Griechenland an, was wir ja nicht wollten! Außerdem ist unser Corona-Test dann älter als 72Stunden. Na super. Das läuft ja alles bombe!

Als wir hier allerdings die Nacht am Terminal gegenüber der wartenden Lkws verbrachten und am Morgen die fliegenden Händler sahen, die ihre Ware loswerden wollten, die Müllberge um uns herum, kam uns das Gefühl, dass es uns doch noch erstaunlich gut ging. Wir können nur ansatzweise nachfühlen, wie sich Flüchtlinge fühlen, wenn sie irgendwo „stranden“ und nicht wissen wie es weiter geht. Mich macht dieses Gefühl mürbe. Ich habe gerne immer einen Plan. Vom Segeln kennen wir es natürlich, dass man auch ständig mal improvisieren muss. Aber so wie jetzt, ist es ganz anders. Wir sind machtlos und haben das Gefühl weder vor noch zurück zu können. Wir können die Tortour mit dem Auto und der Ladung die 2.000km auch nicht wieder zurück fahren! Wir können nur warten…warten was passiert, wann was passiert und wie es passiert. Aktiv was machen, können wir nicht mehr. Aber wir haben uns! Das ist so ein gutes Gefühl, gemeinsam haben wir schon so viele Sachen und Stürme erlebt. Wir müssen nur geduldig sein und positiv! Schlimmer geht immer!

In der Griechenlandsegler-Gruppe bei Facebook erfahren wir dann, warum wir hier überhaupt feststecken! Streiks in Griechenland! Wir haben an soviele Dinge gedacht, 1000 Formulare ausgefüllt, um nach Griechenland zu kommen, aber an sowas hätten wir nicht gedacht.

2 Tage mussten wir auf eine Fähre nach Griechenland warten. Zum Glück hatte ich gleich am ersten Tag die Fähre auf Freitag umgebucht (den nächst möglichen Termin, ohne dass wir wussten was los war), denn die Fähre wurde rappelvoll bis unters Dach! Nachdem wir die Fähre gebucht hatten, suchten wir ein Hotelzimmer für die nächste Nacht.

Das war das beste, was wir tun konnten. Ich konnte das erste Mal mich ausstrecken zum Schlafen und musste nicht in einer Yoga-Position zusammengefaltet schlafen. Außerdem genossen wir es sooooooo sehr eine Dusche zu nehmen und ein eigenes Klo zu haben. In der ersten Nacht mussten wir uns hinter die Lkws begeben, weil es keine offenen Toiletten dort gab.

Am Freitag fuhren wir 2 Stunden vor Abfahrt zur Fähre, die nur 1-2km vom Hotel entfernt lag. Wahnsinn, hier hatten sich lange Lkw-Schlangen gebildet.

Wir fuhren zum Terminal vor und hatten dort richtig Glück, dass ein Mitarbeiter vom Terminal uns an der ganzen Schlange von Lkw-Fahrern vorbeilotste und wir direkt unsere Tickets holen konnten, nachdem wir wieder Berge an Unterlagen vorwiesen.

Wir hatten wieder Glück, dass wir zu den ersten gehörten, die auf die Fähre drauf fuhren. Mit den Tickets guckte auch keiner mehr, wie lang unser Auto jetzt war. Direkt neben dem Eingang zum Aufzug konnten wir uns an den Rand stellen und uns zu unserer Kabine begeben. Normalerweise buchen wir nie eine Kabine und hauen uns eigentlich immer mit Schlafsack und Isomatte irgendwo hin. Aber in diesen Zeiten und besonders, weil diese Fähre so überfüllt war, war es das größte Glück was wir hatten! Denn gefühlt niemand trug von diesen ausländischen Lkw-Fahrern eine Maske! Und sie sammelten sich alle im Restaurant und in allen Ecken und Nischen. Nur unsere Kabine wurde schon 3 Stunden vor Ankunft geräumt. Was für eine Frechheit! Die nächsten Stunden saßen wir entweder draußen in der Kälte der Nacht oder oben bei den hochpreisigen Suiten auf den Treppen rum, weil alle anderen Plätze so maßlos überfüllt waren. Ein Spaß ist es in Zeiten von Corona nicht zu verreisen. Aber wir sind beruflich dazu gezwungen. Wenn sich alle an die Maskenpflicht halten würden, wäre es auch nicht so schlimm. Aber diese Fähre war gefüllt mit Idioten! Nachts gegen 1Uhr kamen wir an in Igoumenitsa. Wir wurden direkt von den Griechen nach links zum Testen geschickt. Nur wussten wir überhaupt nicht, was mit links gemeint war. So tasteten wir uns ran und fanden die beiden Frauen in ihren Raumanzügen und die Schlange, die sich schon dort gesammelt hatte. Wir wurden getestet und der QR-Code wurde der Probe zugeordnet. Jetzt müssen wir noch 7 Tage in Quarantäne. Aber dafür ging es erstmal mit dem Auto zu unserem Schiff weiter. Mitten in der Nacht, der Ausgangssperren-Zeit. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt kamen wir in Preveza vor der Ionion-Marina an. Wir hatten es geschafft, uns hatte keiner mehr angehalten!!! Was für eine Tour bzw. Tortur.

© C.Dingwerth